Heute hatten wir im Fach Religion einen besonderen und sehr interessanten Ausflug nach Zürich. Anstatt den Unterricht im Klassenzimmer zu verbringen, hatten wir die Möglichkeit, einen Einblick in das Leben eines Menschen zu bekommen, der selbst eine schwierige Lebensphase erlebt hat.
Der Tag begann damit, dass wir gemeinsam mit der Klasse mit dem Zug von Aadorf nach Zürich Stadelhofen gefahren sind. Die Zugfahrt war angenehm und wir waren gespannt darauf, was uns in Zürich erwarten würde.
Als wir in Stadelhofen angekommen sind, gingen wir gemeinsam zu einer Kirche in der Nähe. Dort wartete bereits der Mann auf uns, der uns durch die Stadt führen sollte. Er war unser Guide für diesen Tag und erzählte uns, dass er früher obdachlos gewesen ist. Gleich zu Beginn erklärte er uns, dass er uns heute einige Orte zeigen möchte, die für sein Leben in dieser Zeit eine wichtige Rolle gespielt haben. Dadurch konnten wir nicht nur etwas über Zürich lernen, sondern auch über das Leben von Menschen, die auf der Strasse leben.
Während der Führung begann er, uns seine persönliche Geschichte zu erzählen. Er erklärte, dass sein Leben nicht immer einfach gewesen ist und dass verschiedene Ereignisse dazu geführt haben, dass er irgendwann ohne feste Wohnung leben musste. Besonders berührend war, als er von seiner Familie und seiner Kindheit sprach. Er kommt ursprünglich aus Deutschland und ist später in andere Länder gereist. Neben Deutsch kann er auch Französisch sprechen, was uns ebenfalls überrascht hat.
Ein wichtiger Teil seiner Geschichte war seine Familie. Er erzählte uns, dass seine Mutter unter schweren psychischen Problemen gelitten hat. Diese Situation hat seine Kindheit und die Erziehung stark beeinflusst. Dadurch hatte er schon früh mit schwierigen Umständen zu kämpfen. Solche Probleme in der Familie können einen Menschen sehr prägen und seinen Lebensweg beeinflussen. Durch seine Erzählungen konnten wir besser verstehen, wie komplex und schwierig manche Lebenssituationen sein können.
Während wir durch die Stadt Zürich liefen, zeigte er uns verschiedene Orte, an denen er sich früher oft aufgehalten hat. Er erklärte uns, wo sich viele obdachlose Menschen treffen oder wo sie versuchen, einen sicheren oder warmen Platz zu finden. Besonders im Winter ist es für Menschen ohne Wohnung sehr schwierig, da sie oft keinen geschützten Ort haben, an dem sie schlafen können. Deshalb suchen viele von ihnen Plätze auf, an denen es warm ist oder wo sie sich zumindest für eine gewisse Zeit aufhalten können.
Der Guide erzählte uns auch, wie er damals seinen Alltag organisiert hat, um zu überleben. Er musste sehr kreativ sein und lernen, mit sehr wenig Geld auszukommen. Heute verdient er unter anderem Geld, indem er Zeitungen verkauft. Das ist eine Möglichkeit für Menschen, die früher obdachlos waren oder wenig Einkommen haben, wieder etwas Geld zu verdienen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Ausserdem erwähnte er, dass er regelmässig eine Bibliothek besucht, in der man Bücher kostenlos ausleihen kann. Diese Möglichkeit hilft ihm, sich weiterzubilden und Zeit sinnvoll zu nutzen.
Ein besonders interessanter Teil seiner Geschichte war, dass er uns erzählte, wie wichtig das Schreiben für ihn geworden ist. Er sagte, dass er viele Gedichte geschrieben hat, besonders während der schwierigen Zeit in seinem Leben. Das Schreiben hat ihm geholfen, seine Gedanken und Gefühle auszudrücken. Für ihn war das eine Art Verarbeitung seiner Erlebnisse. Durch die Gedichte konnte er seine Situation besser verstehen und gleichzeitig einen Weg finden, damit umzugehen. Es war beeindruckend zu sehen, wie kreativ er trotz seiner schwierigen Situation geblieben ist.
Während der Führung begleitete er uns durch verschiedene Teile der Stadt Zürich und zeigte uns Orte, die für ihn eine besondere Bedeutung haben. Dadurch konnten wir Zürich aus einer ganz anderen Perspektive sehen. Normalerweise denkt man bei einer Stadtführung eher an bekannte Sehenswürdigkeiten oder touristische Orte. In diesem Fall ging es jedoch mehr um die Lebensrealität von Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben.
Diese Erfahrung hat vielen von uns gezeigt, dass Obdachlosigkeit ein komplexes Thema ist. Oft sieht man Menschen auf der Strasse und denkt nicht weiter darüber nach, welche Geschichten oder Probleme hinter ihrem Leben stehen. Durch seine offenen und ehrlichen Erzählungen konnten wir verstehen, dass hinter jeder Person eine persönliche Geschichte steckt.
Am Ende der Führung bedankten wir uns bei ihm für seine Zeit und seine Offenheit. Es braucht viel Mut, seine eigene Lebensgeschichte vor einer Gruppe zu erzählen, besonders wenn es um schwierige Erfahrungen geht. Zum Abschluss machten wir gemeinsam ein Foto, um diesen besonderen Tag festzuhalten. Danach verabschiedeten wir uns von ihm.
Nach der Führung gingen wir mit der Klasse noch ins Restaurant Molino. Dort konnten wir uns entspannen und über die vielen Eindrücke des Tages sprechen. Die lange Tour durch die Stadt hatte uns etwas müde gemacht, aber gleichzeitig hatten wir auch viel Neues gelernt. Beim Essen hatten wir Zeit, über das Gehörte nachzudenken und uns darüber auszutauschen, was uns besonders beeindruckt hat.
Insgesamt war dieser Ausflug nach Zürich eine sehr spannende und lehrreiche Erfahrung. Wir haben nicht nur etwas über die Stadt gelernt, sondern vor allem über das Leben eines Menschen, der schwierige Zeiten durchgemacht hat und trotzdem einen Weg gefunden hat, weiterzumachen. Seine Geschichte hat uns gezeigt, wie wichtig Verständnis, Offenheit und Respekt gegenüber anderen Menschen sind.Der Tag hat uns auch bewusst gemacht, dass man das Leben anderer Menschen nicht vorschnell beurteilen sollte. Hinter jeder Lebenssituation können verschiedene Gründe stehen, die man von aussen oft nicht kennt. Deshalb war diese Begegnung eine wichtige Erfahrung für uns alle.
Am Ende des Tages sind wir mit vielen neuen Gedanken und Eindrücken nach Hause gegangen. Der Ausflug hat uns gezeigt, dass Religion und Ethik nicht nur theoretische Themen im Unterricht sind, sondern auch viel mit dem echten Leben und den Erfahrungen anderer Menschen zu tun haben.
Maximiliano Rodriguez Alonso
Verein surprise 2026
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