Liturg Pater Gregor Brazerol wies in seiner Predigt auf das Wirken des Bernhard von Clairvaux hin, der mit einigen Männern vom Kloster Citeaux auszog, und so den Zisterzienserorden verbreitete. Dieser Bewegung war ein eigentlicher geistlicher, kultureller und wirtschaftlicher Erfolg beschieden, so dass ab dem 12. Jahrhundert überall Klöster entstanden, im Thurgau für die Zisterzienserinnen eben Tänikon, Kalchrain und Feldbach, deren gemeinsame Nachfolge nun im nahen Bregenz-Gwiggen liegt.
Zu Ehren der Kirchenpatrone wird jeweils durch Claudia Iten mit dem Kirchenchor ein grösseres Werk einstudiert, für St. Alexander in Aadorf und eben St. Bernhard in der ehemaligen Klosterkirche Tänikon. Eingerahmt durch zwei Kirchensonaten von Mozart jubilierten die Mitwirkenden besonders in Mozarts Missa brevis in G-Dur (KV 140). Das Solistenquartett trat dabei in einen begeisternden Dialog mit dem Chor, unterstützt durch ein Streicherquartett und die Orgel. Die einzelnen Sätze des Messetextes kamen sehr unterschiedlich zur Geltung, triumphal das Benedictus und innig das Agnus Dei mit seinem aktuellen Friedenswunsch «Dona nobis pacem».
Als Gegensatz zur frühen Klassik von Mozart gestaltete die Sopranistin Sarah Mäder, begleitet von Sofja Goshadze an der Orgel, das Ave Maria von Camille Saint-Saëns, ein praktisch unbekanntes, aber doch sehr gefühlsvolles und harmonisches Werk der Romantik.
Das Erlebnis des gut besuchten Gottesdienstes fand seinen Abschluss im Klosterhof, wo bei einem reichhaltigen Aperitiv die Gemeinschaft zusätzlich gepflegt wurde.
Dieter Lang